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Komplex 05  Aufbereitungsmaschinen für Atomkraftwerke

 Aktivitäten des VEB Zemag Zeitz beim Industrie-Vorhaben "Komplex 05" 

1975 wurden vom Ministerrat  der DDR Anlagen zur industriellen Produktion von Brennelementen für die Kernkraftwerke der Sowjetunion, "Komplex 05" genannt, beauftragt und in einem Regierungsabkommen mit der UdSSR vereinbart. Damit verbunden waren Maßnahmen der DDR-Industrie zur Unterstützung der  Planung, Errichtung und Betrieb der kerntechnischen Großanlagen, also der Kernkraftwerke Rheinsberg, Greifswald und Stendal, der Anlagen zur Refabrikation und Fabrikation von Brennelementen (Komplex 04 und 05) und des Endlagers Morsleben.

Für die Konstruktion, Muster-Fertigung und Erprobung eines Teils der benötigten Aufbereitungsmaschinen wurde der VEB Zemag Zeitz beauftragt. Dabei ging es  um Geräte zur Herstellung von Uran-Granulat als Vorstufe zur Brennstäbe-Herstellung. Das waren im Einzelnen als Anlage im Kreislauf:

  • thyristorgesteuerte Zwei-Walzenpresse zur Herstellung von Schülpen bis zu ca. 6 mm Dicke
  • Brecher zur Zerkleinerung der Schülpen
  • Schwingsieb zur Klassierung bis Korngröße ca. 1 mm

Die Konstruktion der  Einzelaggregate fand im Konstruktionsbüro Brikettierung und Aufbereitung und die Herstellung in den entsprechenden Fertigungsbereichen statt.

Die Erprobung der Einzelaggregate einzeln und im Kreislauf fand durch Personal der Erprobungsgruppe des VEB Zemag Zeitz in einer speziellen Werkhalle der Keramischen Werke Hermsdorf unter besonderen Geheimhaltungs- und Sicherheitsbestimmungen VS (Verschlußsache) statt . Der Uran-Staub wurde dort durch eine Graphit-Latex-Mischung, die dem späteren Originalmaterial gleichen sollte, simuliert. 

Die  Weiterverarbeitung zu  Brennstäben erfolgte durch die Strangpresse eines anderen DDR-Betriebes aus Fürstenwalde.

1979 wurde die Ausführung des Regierungsabkommen jedoch von der Sowjetunion zurückgewiesen und anschließend von der DDR beendet. Für den VEB Zemag Zeitz kam diese Entscheidung sehr überraschend, war nach den positiven Ergebnissen in Hermsdorf doch bereits das Personal für eine weitere "heiße" Erprobung in einem DDR-Kernkraftwerk ausgewählt worden.

Die produzierten Aggregate wurden später zur weiteren anderen Verwendung an wissenschaftliche Institute in Freiberg übergeben.